Oh Oh Leute! Da hab ich mir was aufgebrummt O__o Ich war ganz normal im Kindergarten, hatte meine InPre Klasse mit nur 3 Kindern, was auch mal ganz angenehm war, und bin dann nach der Arbeit schnell nach Harajuku gedüst, um im Bodyshop Geschenke zu kaufen. Da hab ich mir dann eine Kundenkarte machen lassen und bin schleunigst wieder nach Hause gedüst, wo ich mich in Rekordzeit für das "Bonenkai" gergerichtet habe. Bonenkai ist eine Art Neujahrsfeier bzw. Jahresabschlussfeier der Firma in Japan . . . oder für Gaijin, wie mich, die beste Art um sich bis auf die Knochen zu blamieren ^^; Meine Firma ist ziemlich groß, da es nicht nur den Kindergarten gibt, sondern die Firma eigentlich hauptsächlich mit Pachinko zu tun hat *sich einen ablach* Auf Bonenkais geht man meistens mit der ganzen Firma essen und . . . saufen. Anders kann man das nicht ausdrücken. Bereits vorab habe ich mir von meinen japanischen Kolleginen Tips geholt und sie ausgequetscht. Pünktlichst um kurz vor 7 Uhr bin ich in Kawaguchi eingetroffen und habe durch Zufall meine besorgten Kolleginnen getroffen, die mir ihre Handynummer und einen detaillierten Plan in die Hand gedrückt hatten und gesagt hatten, dass ich bloß anrufen soll, wenn was ist. Zusammen sind wir noch kurz durch einen Drogeriemarkt geschlendert, damit wir nicht ZU früh kommen. Um kurz vor 7 sind wir dann zum Restaurant gegangen, dass chinesisches Essen anbot, aber so aussah, als wäre es in der Zeit der DDR erbaut worden. Sogar die Kellner sahen einfach nur trist aus. Unsere Mäntel wurden aufgehängt (von Santa Clause ^__~ nein, nur ein Scherz, von dem Kollegen, der Santa Clause gespielt hat) und, was mich in totale Panik versetzte: Die Sitzplätze wurden ausgelost . . . ach du Scheiße! Ich saß am Tisch B . . . weit weg von meinen Kolleginnen, die alle panisch zu mir sahen ^^°An meinem Tisch saßen bereits vier ältere Herren, die alle verstummten, als ich mit einem verschüchterten "konban wa" mich setzte. Eine Kollegin von mir kam angerauscht und stellte mich als "Martina-chan" vor -__-°Tolle Wurst! Da bin ich gleich mal "Martinachen" T__T Die Herren ließen sich davon nicht erweichen und schwiegen beharrlich. Hin und wieder ließen sie einen Kommentar darüber ab, wie wenig Leute bis jetzt erst da waren, aber das wars dann im großen und ganzen. An allen anderen Tischen saßen nette junge Leute, die ich zum Teil schon mal gesehen hatte, nur an meinem Tisch schien sich der Seniorenclub versammelt zu haben. Als nächstes kam eine jüngere Dame an, die aber sehr arrogant wirkte und sich nur hin und wieder zu einem Lächeln zwang. Meine nächste Nachbarin war mir da schon lieber. Eine Altenpflegerin aus dem 2F, deren Sohn ich ein Mal in der Woche betreute ^__^ Sie sprach zwar kaum Englisch, bemühte sich aber rührend um mich. Der letzte am Tisch, war ein Mann in den 30ern und sah aus, wie ein normaler Angestellter. Zuerst machte ich mir nichts daraus und verhielt mich ruhig ^^; bloß nicht auffallen war meine Devise (was ja auch ganz einfach ist unter knapp 50 Japanern als einzige Ausländerin). Doch da kam wieder eine meiner Kolleginnen angerauscht und flüsterte mir ins Ohr: "This is the president of the company. He speaks really good English!" Meine Gesichtsfarbe wurde schlagartig ungesund und ich fing an zu schwitzen, als würde man mich gleich masakrieren wollen ^^°Ich brabbelte mein "yoroshiku onegaishimasu" vor mich hin und meine Chefin stellte mich vor. Er war ganz begeistert, dass ich aus Deutschland war und ließ auf Japanisch gleich mal verlauten, dass er gerne eine Deutsche Frau geheiratet hätte, weil man von ihnen sagt, dass sie sehr fleissig sind ^^;; Ohje! Danach gab es erst mal das gute alte Kanpai (Prost) in der unisono Version. Davor hielt der Präsident von neben mir eine Rede und drehte dabei die ganze Zeit Däumchen. Die Japaner scheinen keine so großartigen Redner zu sein ^^°Und die Japaner scheinen auch keine großen Verfechter des Klatschens zu sein, denn dazu musste dann erst durch ein "patschi patschi" (bei dem ich mich fast gebogen habe vor Lachen) aufgefordert werden. Angestoßen wurde mit Bier -__-°Aber da jeder Bier trank, nippte ich auch brav an dem meinigem, dass mir vorher eingeschenkt wurde, denn wenn ich das selbst gemach hätte, wäre ich gleich als Säuferin verschien gewesen ^^; Bald wurde das Essen serviert (div. nicht gant so chinesische Gerichte, von Shrimps in Tomaten-Zwiebel-Soße über Gemüse und frittierte Sachen, von denen ich keine Ahnung hatte, ob es Hund, Esel oder Meerschweinchen war ^__~) und der Präsident begann mit einem ziemlich guten Englisch mit mir zu sprechen. Über seinen Auslandsaufenthalt in Australien, seine Reisen, blablabla. Ich lobte sein Englisch tausend mal und versuchte ganz die brave japanische Angestellte zu sein, bis er merkte, dass ich nichts trank . . . uhoh! . . . er fragte dann, was ich denn an Alkohol gut fände, aber er schenkte mir dann erst mal einen Schnaps ein, der ein bissal an Fernet erinnert hat. Er meinte dann auch, worauf alle einstimmig nickten, dass Bier für Deutsche ja wie Wasser sein müsste ^^°*lalala* Klaro! Danach bekam ich einen Oolongsour und trank so vor mich hin. Ich konzentrierte mich aufs Essen und auf die gelegntlichen Fragen des Präsidenten, bis . . . ja, bis ich mich so richtig in die Nesseln gesetzt habe. Die Japaner schenken sich auf Bonenkais immer gegenseitig ein, nie sich selbst. Nun musste ich aber feststellen, dass pausenlos irgendwelche Damen aufstanden und ein Mal an jeden Tisch gingen und allen Herren der Schöpfung Bier nachschenkten und etwas sagten. Das gleiche Spielchen gab es dann auch mit den Männern. Manchmal, so dachte ich, kann man die Leute dezent abweisen. Also dachte ich mir nichts dabei beim ersten Herren erst Mal vehement denKopf zu schütteln und zu sagen, dass ich noch genug hätte und ich obendrein Bier nicht so doll find. Der wollte aber nicht ablassen, bis selbst der Prsäident dann eingegriffen hat und dem Herren klar gemacht hat, dass ich versorgt sei. Dumm nur, dass der Herr anscheinend auch extrem wichtig war T___T und selbst meine keinen Alkohol trinkende Nachbarin von ihm einen Schluck Bier entgegen nahm. Und voll in die Kacke gelangt! Tolle Wurst! Naja, danach war ich schlauer und versuchte irgendwie immer ein bisschen aus dem Bierglas zu nippen, aber nur so viel, dass ich nicht all z u viel trinken musste *puh* Ich schwitzte insgesamt 2 Std., in denen ich noch mit der Sekretärin auf Englisch sprach, einen extrem Betrunkenen Kollegen erlebt hatte und wie sich Japaner verhalten, wenn ihnen jemand peinlich ist XD~ Am Ende gab es dann noch für mich ein Versprechen zu einer neuen Uhr vom Präsidenten für mich . . . das war wohl die größte Entehrung. Er zeigte auf meine Uhr und fragte dann, ob das einen Baby-G sei. Ich meinte ja, verhielt mich aber dann Japanisch und wies ihn gleich darauf hin, dass sie schon alt sei und nicht mehr gut aussähe (tut sie aber auch so ^^°). Und was sagt er? Ach, da können wir was machen! Wir haben ja Pachinkohallen und da haben wir solche Uhren als Preise . . . *drop* Er rief eine Angestellte her, die anscheinend für diese Goods zuständig ist und die erkundigte sich dann nach meiner Lieblingsfarbe und damit war die Sache gegessen. Lieferung: Montag. Ich versuchte noch höflich abzuwehren, aber er ließ sich nicht aufhalten. Am Ende wurde ich dann von meinen Kolleginnen erlöst, die mich dann nach unten begleiteten. Ich ging schnell zur Bahn und war vollkommen fertig *PUH* Ja, ja, die Japaner sind schon anstrengend *seufz* Trotzdem war es mal sehr interessant solch ein Bonenkai mitzuerleben.
Viele Grüße, eure Momo
5 comments:
Hallo Martina, die Weihnachtsfeier hast Du sehr schön beschrieben und kann mir als Gai-Jin die diversen Peinlichkeiten bestens vorstellen. Es waren sicher nicht die letzten, aber da müssen wir durch. Gruß Chauvie
Hi Keks,
wie heisst es so schön: fremde Länder, fremde Sitten. Da müssen alle Langnasen in Japan durch. Mir würde es nicht anders ergehen. Niemand würde es anders gehen. Ich konnte mir alles gut vorstellen!!
Gruss, Papa
@Papa:
^^; Jup, da müssen wir durch, war aber auch mal mega interessant das mitzuerleben!
@Martin:
XD~ Wir ollen gaijins müssen eben doch immer leiden *sich kaputtlach*
Bis Übermorgen!
Martina
Hi Keks,
eine (mögliche) Erklärung: sich mit "schäbigen" Sachen in der Öffentlichkeit sehen lassen ist für Asiaten u.U. nicht vorstellbar. Und der eine oder andere fühlt sich genötigt, Abhilfe zu schaffen und das "schäbige" Stück zu ersetzen. Wobei Du dann erklären kannst (im Falle der Uhr), dass sie von Deiner Großmutter ist und dass Du sie deswegen in Ehren hältst. Solche traditionellen Dinge kommen eigentlich gut in Asien. Dumm nur, dass der so Beschenkte sich beklemmt fühlt/fühlen muss. Aber weshalb biete ich dann so etwas überhaupt an, wenn der Beschenkte sich ja doch "entehrt" fühlt?? Das verstehe ich noch nicht ganz. Aber lass Dir ruhig eine Rolex schenken!! :-))
Papa
@Papa: Also meine Uhr werd ich eh in Ehren halten, weil die neue ein Plastikarmband hat, unter dem ich schrecklich schwitze ^^°Naja, in Japan geht eben nichts ohne das gute alte Gefühl der Entehrung *lach* Ne Rolex ist es nicht, sondern auch wieder ne Baby G, aber eben nicht so toll wie die von meiner Oma *sniff*
Post a Comment